Saudi-Arabien – Zwischen Einsamkeit, Gastfreundschaft und großen Momenten
Zwei Monate unterwegs zwischen Wüste, Bergen und Begegnungen, die zeigen, wie nah sich Menschen überall auf der Welt sind.
Ende September 2025 kehren wir zurück in ein Land, das uns längst ans Herz gewachsen ist: Saudi-Arabien. Zwei Monate wollen wir uns Zeit nehmen, um erneut einzutauchen – in Landschaften, die spektakulärer kaum sein könnten, und in Begegnungen, die bleiben.
Unsere Reise beginnt in Riad – bei 43 Grad. Viel Zeit lassen wir uns nicht, denn da ist noch dieses eine Ziel, das uns seit zwei Reisen begleitet: der „Edge of the World“.
Zweimal sind wir bereits gescheitert. Schlechte Pisten, endlose Stunden – und irgendwann die Entscheidung zum Umkehren. Doch diesmal wagen wir Versuch Nummer drei.
Zweimal sind wir bereits gescheitert. Schlechte Pisten, endlose Stunden – und irgendwann die Entscheidung zum Umkehren. Doch diesmal wagen wir Versuch Nummer drei. Wir hoppeln erneut über Pisten.
Die Strecke ist lang, die Orientierung schwierig, das Internet irgendwann verschwunden. Nur ein blauer Punkt auf der Karte und ein kleines Herzchen als Ziel. Wir verfahren uns, kehren um, suchen neu. Und dann – nach Stunden des Zweifelns und Hoffens – taucht sie auf: eine gewaltige Steilwand am Horizont.
Als wir schließlich am Rand stehen, wissen wir: Es hat sich gelohnt. Drei Stunden lang sind wir allein an diesem magischen Ort. 1.131 Meter fällt die Klippe ab – ein Blick, der sprachlos macht. Und ein Moment, der uns zeigt: Manchmal braucht es einfach einen dritten Versuch.
Dann 1000 Kilometer weiter Richtung Süden. Wir wollen zur jemenitischen Grenze, zur Wüste und den Bergen. Wir nehmen uns 5 Tage Zeit für die rund 1000 Kilometer – und werden reich belohnt. Eines Abends suchen wir einen Schlafplatz. Nichts passt. Dann taucht ein Auto hinter uns auf. Eine Frau und ihr Begleiter halten an – und laden uns kurzerhand zu sich nach Hause ein.

Was folgt, ist eine dieser Begegnungen, die man nie vergisst.
Wir landen bei einer ehemaligen Beduinenfamilie. Zehn Menschen leben hier, wo vor wenigen Jahren noch ein Zelt stand. Wir schlafen im Hof, trinken Tee im Mafratsch, besuchen die Farm, lernen jedes Kamel beim Namen kennen.
Wir essen gemeinsam – unter anderem zartes Kamelfleisch – und hören Geschichten aus einem Leben, das geprägt ist von Tradition und Wandel. Die Großmutter fährt noch heute ihren Toyota von 1986. Und das schon lange, bevor Frauen in Saudi Arabien offiziell Auto fahren durften.
Als wir am nächsten Morgen aufbrechen, bleibt mehr als Dankbarkeit. Es bleibt tiefe Verbundenheit.
Nahe Nadschran stehen wir vor einer schwierigen Entscheidung: eine Route entlang der Grenze zum Jemen – landschaftlich spektakulär, aber aktuell unsicher.
Wir entscheiden uns dagegen.
Nicht alles, was reizvoll ist, muss man erzwingen. Manches hebt man sich besser für später auf.
Stattdessen führt uns der Weg ins Asir-Gebirge. Und plötzlich sind wir in einer völlig anderen Welt. Grüne Terrassenfelder, steile Serpentinen, Nebel, kühle Luft. Die Berge ragen über 3000 Meter hoch, und vieles erinnert eher an den Jemen als an das Bild, das man von Saudi-Arabien im Kopf hat.
Hier begegnen wir einer Kultur, die lebendig geblieben ist: Männer tragen die Jambia, traditionelle Krummdolche, und schmücken sich mit duftenden Blumenkränzen aus Kräutern – Mashaghir. Frauen verwenden Rehan, Basilikum, als Duft.
Touristen? Nicht vorhanden. Wir sind über viele Tage die einzigen Eindringlinge.
Gerade das macht den Reiz aus. Wir genießen die Einsamkeit, die Intensität der Natur und die vielen kleinen Begegnungen am Wegesrand.


Vom Gebirge geht es hinunter zum Roten Meer. Über 2000 Kilometer Küste gehören zu Saudi Arabien.
Wir konzentrieren uns auf einen Abschnitt mit zahlreichen Schiffswracks, die vom Land aus sichtbar sind. Gestrandete Schiffe auf Riffen, stille Zeugen vergangener Unglücke.
Abends entsteht eine besondere Stimmung. Mystisch, ruhig, fast ehrfürchtig. Nächte im Zelt, begleitet vom Rauschen des Meeres und Gedanken an die Geschichten hinter den Wracks.
Wir fahren der Küste entlang immer Richtung Norden bis Al Ula.
Wir übernachten abseits von Al Ula. Finden da einen schönen Platz mit sehr schönem Sonnenuntergang.
Und beim Sonnenaufgang erleben wir einen unserer schönsten Momente. Er geschieht ganz unspektakulär – bei einem Morgenspaziergang. In der Ferne sehen wir Kamele und ein kleines Zelt. Wie so oft folgen wir einfach unserer Neugier. Schon von weitem winkt uns ein Mann zu – wir sind willkommen.
Unser Gastgeber stammt aus dem Sudan, aus Karima. Wir kennen den Ort von einer früheren Reise – und plötzlich ist da sofort eine Verbindung. Er bietet uns Frühstück an. Wir lehnen ab, nehmen aber seine frisch gemolkene Kamelmilch an. Und setzen uns.
Er lebt hier allein mit seinen Kamelen – 28 an der Zahl. Sein Arbeitgeber kommt einmal pro Woche vorbei, bringt das Nötigste. Einmal im Jahr reist er normalerweise zu seiner Familie. Doch aktuell ist das unmöglich. In seiner Heimat herrscht Krieg.
Wir sprechen darüber. Und gemeinsam verstehen wir es nicht.
Dieser Mann wirkt so friedlich, so ausgeglichen, so freundlich – und lebt gleichzeitig mit der Gewissheit, dass sein Land im Chaos versinkt.
Er zeigt uns ein Foto seiner Familie. Sein Zelt ist einfach, fast leer – und doch voller Würde. Alles hat seinen Platz. Alles wirkt durchdacht. Und wir fragen uns: Könnten wir so leben?
Ohne Komfort, ohne Nähe, ohne Abwechslung?
Wahrscheinlich nicht. Vielleicht für eine Zeit. Aber nicht für Jahre. Und schon gar nicht allein.
Als wir gehen, sagt er mehrfach, wie glücklich er über unseren Besuch ist.
Und wir merken: Diese Begegnung stellt selbst so beeindruckende Orte wie Al Ula in den Schatten.
Es sind diese Momente, die uns immer wieder daran erinnern, wie viel Menschlichkeit es gibt – wenn man sich die Zeit nimmt, hinzusehen.
Von Al Ula führt uns der Weg weiter Richtung Hail. Über 500 Kilometer – durch Nationalparks, Wüsten und Städte. Immer wieder wechseln sich Einsamkeit und pulsierendes Leben ab.
In Saudi Arabien gibt es auch viele sehr alte Felszeichnungen. Viel sind noch nicht erforscht. Besonders in der Hail-Gegend wird man fündig.
In Hail selbst erleben wir ein ganz anderes Saudi-Arabien: modern, lebendig, im Wandel. Die Veränderungen sind spürbar. Frauen arbeiten, fahren Auto, eröffnen Geschäfte, Cafés, Fitnessstudios, Einkaufszentren – vieles, was früher undenkbar war, ist heute selbstverständlich.
Eine Teeverkäuferin erzählt uns, wie glücklich sie über diese Entwicklungen ist. Ein Geschäftsmann berichtet stolz, wie sehr sich seine Stadt verändert hat.
Und wir verstehen: Wer das heutige Saudi-Arabien begreifen will, muss auch seine Vergangenheit kennen.
Nicht alles war so, wie es oft dargestellt wurde. Und nicht alles ist perfekt. Aber vieles ist in Bewegung – und genau das spüren wir.

Und wer sucht, findet auch noch preiswerte Restaurants in der Innenstadt von Hail.
Von Hail fahren wir Richtung Medina. Medina, ist nach Mekka die zweitheiligste Stadt von Saudi Arabien. Sie ist zentraler Pilgerort, da sie auch die Prophetenmoschee mit dem Grab des
Propheten Muhammed beherbergt.
Weit über 1000km fahren wir. Unterwegs sind die Landschaften genial, die Menschen wie immer sehr freundlich und somit viele Begegnungen sehr angenehm.

Es gibt auch öfters richtig schöne Oasen. Wir erleben solch eine Oase beim Besuch bei einem Oasenbesitzer nahe eines alten Dorfes. Zwischen Bananen, Papaya und Kaffeepflanzen erzählt er von seinem Leben – und schenkt uns zum Abschied einen duftenden Strauß aus Blumen und Rehan.
Medina ist absolut interessante Stadt. Die Pilgerstadt ist nun schon einige Jahre auch für ausländische Touristen offen.
Von Medina geht es zurück nach Riad.
Irgendwann endet auch diese Reise.
Zwei Monate voller Erlebnisse, Nächte unter Sternen, Begegnungen und Gedanken.
Wir waren unterwegs als zwei kleine Punkte in Raum und Zeit – frei, neugierig, offen.
Nicht alles war leicht. Doch alles war wertvoll.

Gerade in einer Welt voller Konflikte und Unsicherheiten sind es diese Reisen, die uns zeigen: Menschen sind sich überall ähnlicher, als man denkt.
Überall gibt es den Wunsch nach Frieden, nach Sicherheit, nach einem würdevollen Leben. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieser Reise:
Das, was uns verbindet, ist stärker als das, was uns trennt.
Dankeschön für das Interesse. Wir waren schon öfters in Saudi Arabien unterwegs. Wir mögen die Menschen, die Landschaften, die Tierwelt, die Berge, das Meer ...
Bei Interesse ist im Blog ein weiterer Kurzbericht zu Saudi einsehbar:
Saudi Arabien
LG, Wi + Gi









































