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Weltumradlung 4 Jahre

Weltradeltour - 2007 bis 2011 - 4 Jahre - 5 Kontinente - in absoluter Kurzform

Oman
,,Die Welt ist ein Buch. Wer nicht reist, sieht nur eine Seite davon" Augustinus Aurelius

Beim Start unserer Weltradeltour waren wir zusammen schon 101 Jahre alt. Zum Glück war dies aber unseren Drahteseln egal. Wir hatten aber schon einige Rad-Erfahrungen aus vorher pedalten Touren. 2003 waren wir für 4 Wochen im Jemen unterwegs. Damals war Radeln dort noch irgendwie möglich. 2004 besuchten wir unseren Sohn in Sri Lanka. Er war selbst 2003 von Deutschland aus in die weite Welt per Radel gestartet. Gemeinsam pedalten wir für 4 Wochen auf der herrlichen Tropeninsel. Erst Jahre später reifte dann unser Entschluss die große Radelwelttour selbst zu wagen. Wir wollten unseren Sohn am Ende der Welt besuchen. 2007 war es endlich so weit. Wir hatten Martin versprochen zu kommen, allerdings würde es etwas länger dauern, denn mit den Rädern zu Besuch bis nach Neuseeland, dauert halt etwas länger. Aus diesem Versprechen wurde dann letztendlich unsere 4 jährige Tour um die Welt.

Ein Fazit unserer Reise: ,,Bei all den Erlebnissen über die vier Jahre wurde uns immer bewusster, wie kurz unsere Zeit auf diesem Planeten ist und wie klein und unwichtig wir doch eigentlich sind. Zwei radelnde Sandkörner in Raum und Zeit…‘‘

Fahrrad
Recht schnell waren sie eingeritten

Vorbereitung und Eingebung

2006 wurde uns klar: Wir können noch sooft – wenn auch in der Regel so untypisch anders – Urlauben, ein schnelles Ende ist dabei leider immer in Sicht. Das wertvolle Gut Zeit war bei uns immer zu knapp bemessen. Wie viele Menschen auch, so vertrösteten wir uns gedanklich auf das noch ferne Rentenalter. Durch den frühen Tod unserer Väter wurde uns aber schnell bewusst, was mit erhofften Träumen urplötzlich geschehen kann. Eigentum verpflichtet! Wir verkauften viel von unseren geliebten Eigenheiten. Dies aber waren die kleinsten Hürden, denn nebenbei mussten wir noch mit unseren Arbeitgebern einiges abklären und, und, und …. Nach 6 Monaten war die unendlich erscheinende Liste abgearbeitet und die Reise konnte beginnen.

Fahrräder für die lange Tour
Bereit

Europa

Vom thüringischen Sonneberg aus ging es im Frühjahr 2007 immer Richtung Süden. Die Donau war unser erstes Ziel. Diese begleiteten wir durch Bayern, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Serbien, Kroatien bis Bulgarien. Der Donau-Abschied in Bulgarien viel uns schwer, denn meist waren die Donauradelwege  sehr schön. 

Deutschland
Deutschland

Von Land zu Land ließ auch der Muskelkater spürbar nach und die Ledersättel waren endlich eingeritten. Auch hatten wir gelernt unseren Radelhaushalt in den Griff zu bekommen. Jedes Teil hatte nun seinen bestimmten Platz und das Auf- und Abbauen unserer Lagerstätten dauerte dann meist nur noch eine gute Stunde.

Donau mit Fahrrad
Abschied von der Donau

Türkei

Fast drei Monate ließen wir uns für die Türkei Zeit. Wir lernten recht schnell, dass die Zeit für uns ein wichtiger Faktor sein wird, denn erst ab der Türkei fühlten wir uns irgendwie frei und die Zeit spielte keine treibende Rolle mehr. Auch hatten wir nun das Gefühl, jetzt kann uns niemand mehr zurückholen. Nach Istanbul ging es mitten durch die herrliche Türkei. Landschaften wie aus dem Bilderbuch, Karawansereien, Salzwüsten, Kappadokien, der Vansee und die meist netten Menschen, versüßten uns die türkischen Radelmonate. 

Türkei Kappadokien
Kappadokien

Die Visa für den Iran wurden in Erzurum besorgt. 10 Tage dauerte die Visageschichte. Am biblischen Berg Ararat öffneten die Iranis für uns dann sehr unkompliziert das Grenztor.

Türkei Kurdistan
Begegnung am Wegesrand Kurdistan

Iran

Auch wenn es oft schwer begreiflich erscheint, der Schurkenstaat Iran wurde für zwei Monate eines unserer angenehmsten Radelländer. Unvergessen ist dabei die eigentlich unbeschreibliche Gastfreundschaft der Perser. Da Gi im Iran für 4 Wochen starke Zahnschmerzen hatte, lernten wir auch viele Zahnärzte kennen. Gi hätte sicherlich darauf verzichten können, doch letztendlich brachten uns diese Zahnprobleme auch viele weitere ungeahnte Einsichten in ein absolut interessantes Land. Leider, vielleicht auch zum Glück, wurden uns die Visa für Pakistan verweigert. 

Iran Zahnarzt grenzenlosunterwegs
Zahnschmerzen im Iran

So lernten wir auf der Strecke von Tabriz,  Esfahan über Bandare Bushehr nach Bandare Abbas auch noch die iranische Küste am Persischen Golf kennen. Über 1000 km radelten wir immer am Golf entlang. In Bandare  Abbas setzten wir mit einer Fähre in die Emirates über. 

Persischer Golf grenzenlosunterwegs
Über 1000 km am Golf entlang

Vereinigte Arabische Emirate

Die Emirates überraschten mit interessanten Betonburgen in viel Sand. Das höchste Gebäude der Welt war gerade im entstehen. Ein Reporter vom VAE –Fernsehen wollte unbedingt viele Fragen von uns beantwortet haben. Die wichtigste für ihn war: Was esst und trinkt ihr denn, um diese Strapazen durchzuhalten? Unsere Antwort war: Wir essen und trinken was es in den jeweiligen Ländern gibt. Dies konnte er absolut nicht verstehen. 

Kamel VAE grenzenlosunterwegs
Wir lieben Kamele

Uns zog es aber alsbald über die Wüstenstrecke Richtung Oman. Wir lieben die Wüsten. Kamele, kleine Oasen, putzige Moscheen, leben wie die Beduinen, Sand, Sand, Sand…. waren angesagt. Somit waren die nur 200 km für uns viel zu schnell vorbei.

Wüste VAE grenzenlosunterwegs
Wir lieben die Wüste

Oman

Wir mussten zuerst nach Maskat radeln um die Visa für den Jemen zu besorgen. Der Radweg nach Maskat war einfach nur herrlich, denn die vorgelagerten Gebirgszüge garantieren absolute Abwechslung. Heiße Quellen, verträumte Oasen, überaus nette Menschen, Gebirgszüge von über 3000 m Höhe und Wüsten soweit das Auge reicht. Von Maskat aus starteten wir Richtung Salalah. Über 1000 km ging es durch die Wüste Rub al Khali (Leeres Viertel). Absolut wichtig war dabei immer Trinkwasser zu bunkern. Teilweise wogen unsere Radel dann bis über 80 kg. 80 km vor Salalah ist mir die Hinterradfelge eingerissen.

Oman grenzenlosunterwegs
Hahn im Korb

Die geschweißte Felge bin ich dann noch 3 Jahre über 30.000 km geradelt. Noch heute könnte ich den pakistanischen Felgenschweißer küssen. Die Radelzeit in der Rub al Khali werden wir nie vergessen. Die Höchsttemperatur war 47 Grad. Wir haben uns trotzdem immer wohl gefühlt. Von Salalah aus ging es über die Mondberge zur jemenitischen Grenze.

Felge Fahrrad grenzenlosunterwegs
Felge hielt noch 30.000 km

Jemen

Nur mit viel Überzeugungskunst (Frauen schaffen fast alles) hatte uns der jemenitische Botschafter in Maskat die Visa für den Jemen ausgestellt. Wir mussten uns aber an bestimmten Abreden halten (Radeln war 2007 im Jemen nicht mehr möglich). Wir mussten an einem bestimmten Tag am Grenzübergang in den Mondbergen sein. Ein Freund holte uns fast an der Grenze mit dem Auto ab (die Abholung war auch Absprache mit dem Botschafter). Zum Glück kam der Freund wie erwartet aber später. So konnten wir zumindest die ersten 70 km entlang der Piratenküste im Jemen radeln. Unvergessen sind dabei die unzähligen Meeresschildkröten und unsere erste Übernachtung in einem Fischerdorf. 

Jemen
In den jemenitischen Bergen

Für 3 Monate lebten wir dann in Sanaa. Dort gibt es die schönste Altstadt der Welt. Wir tauchten ein in dieses faszinierende Land, erlebten dabei Hochzeiten, Landschaften, Gastfreundschaft, Beerdigungen und unzähliges mehr.

Trotz Bemühungen bekamen wir keine Schiffsüberfahrt nach Indien. Der Abschied vom Jemen viel uns schwer, zählt er doch schon viele Jahre zu unseren Lieblingsländern.

Jemen Hochzeit
Hochzeitsgäste

Indien

Indien wurde unser erstes Kulturschockland. Letztendlich entwickelte sich Indien für uns zur Hassliebe. Jederzeit würden wir Indien erneut bereisen, allerdings müsste dies nicht mehr unbedingt mit den Fahrrädern sein, denn der Strassenverkehr kann mörderisch sein. Nur in Südindien kehrte etwas Ruhe ein. In Richtung Nepal begann die ewige Huperei und der quälende Strassenverkehr erneut. Indien kann echt verrückt sein! Indien kann aber auch schön sein! 

Sadhus Indien
Unsere Freunde

Unvergesslich ist die Vielfältigkeit in diesem Land, leider auch die unvorstellbare Armut. Manches zermürbt die Sinne. Martin (einer unserer Söhne) hatte uns gewarnt. Seinen Rat, betrachtet die Inder als große Kinder, konnten wir irgendwann beherzigen. Von da an lief vieles einfacher. 

Strassenzahnarzt Indien
Strassenzahnarzt

Nepal

Nepal war für uns eine Überraschung, denn nach Indien tat uns die Ruhe gut. Was uns neben der grandiosen Bergwelt auch absolut faszinierte war das Tiefland mit seinem Dschungel. Elefanten, Rinos und Krokos hatten wir im Nepal eigentlich nicht erwartet.

Leider war die Grenze in den Tibet für uns nicht machbar. Vor der Olympiade 2008 gab es wegen dem Aufstand im Tibet, im Vorfeld der Olympiade, keine Einreise über Land. Unser Weg führte uns per Flieger weiter nach Thailand.  

Nepal
Trotz guter Werbung gibt es sehr viele Kinder im Nepal

Thailand / Kambodscha

Von Bangkok radelten wir recht zügig zur Grenze von Kambodscha, denn die Regenzeit lag vor uns. In Kambodscha, ca. 100 km vor Siam Rep, erwischte uns der Dauerregen. Wir mussten lernen, dass dann wirklich nichts mehr geht. Fast zwangsweise kehrten wir auf Umwegen ins asphaltierte Thailand zurück. Bedingt durch den vielem Regen, fiel leider unser Aufenthalt im durchaus sehenswertem Kambodscha sehr knapp aus. Neben den berühmten Tempeln, war das so andere Essen am Wegesrand eine manchmal leckere Erfahrung. Von Fröschen über Spinnen bis zu unzähligen kleinen Krabblern reicht da das Angebot.

Kambodscha
Nichts mehr geht

Fast zwangsweise kehrten wir auf Umwegen ins asphaltierte Thailand zurück. Bedingt durch den vielem Regen fiel leider unser Aufenthalt, im durch aus sehenswertem Kambodscha, sehr knapp aus. 

Kambodscha
Seenomaden in Kambodscha

Thailand

Vier Wochen radelten wir entlang der thailändischen Ostküste. Speziell in Südthailand hat es uns besonders gut gefallen. Tourismus im Neckermannstil gibt es da zum Glück noch nicht. 

Thailand
Badespass

Einsame Buchten, Palmen soweit das Auge reicht, immer warmes Wasser (so um die 30 Grad) und köstliches Strassenessen verschönerten die 1000 km bis zum Grenzfluss. Nur weit im Süden störten die Spannungen zwischen den Religionen etwas die Radellust. Aber egal mit welcher Religionsgruppe wir ins Gespräch kamen, verstanden haben wir uns mit allen prächtig. 

Thailand
Blütentraum Thailand

Malaysia

Malaysia war ein weiteres Überraschungsland. Wir hatten nicht erwartet, dass Alt und Neu fast harmonisch im Einklang nebeneinander funktioniert. 

Malaysia
Überraschungsland

Obwohl Malaysia muslimisch geprägt ist, erlebten wir die Fahrrad-Landesmeisterschaften in ungeahnter Vielfalt, denn die recht vielen Frauenteams gaben den Meisterschaften so richtigen Pepp. Ob Dschungel, Preis-Leistungsverhältnis, immer warmes Meer, nette Menschen, alles haben wir unheimlich genossen bis zu unserer Überfahrt nach Sumatra.

Malaysia
Radmeisterschaften

Indonesien / Sumatra

Auf Sumatra haben wir den Äquator überradelt. Hört sich gut an, der Äquator war aber irgendwie doch langweilig. Sumatra selbst besticht durch sein vieles Grün, seine Blumenpracht und den unterschiedlichen Religionen. Noch immer ein Geheimtipp ist der Toba See. 

Sumatra
Am Tobasee

Singapur

Singapur war für uns ein Mikrokosmos aus Reichtum, Beton, Verboten und auch unerwartetem Spaß. Tausend Singapur-Dollars (ca. 500 €) Strafe für Radler sind leicht einzuradeln. 

Singapur
Harte Strafen

Australien

Martin hatte uns gewarnt, Australien zur Sommerzeit von Nord nach Süd zu beradeln. Die Alten können ja aber nicht hören, also haben wir es zumindest versucht. Von Darwin aus wollten wir bis Sydney pedalen (so um die 6.000 km). Kurz vor Alice Spring kam die Rache. Den Stuart Highway darf man einfach nicht unterschätzen. Gi hatte ein Tief (ist irgendwie noch untertrieben). Es ging nichts mehr.

Australien Koala
Koala

Wir machten das einzig vernünftige, mieteten in Alis Spring ein Auto bis Melbourne. Mit neuen Kräften war dann die Strecke von Melbourne bis Sydney über 1500 km wieder ein Radvergnügen. Wir waren schon öfters in Wüsten unterwegs. Den Stuart Highway haben wir aber einfach unterschätzt. Fehler können da echt die letzten Fehler sein.

Australien
Südküste - neue Kraft

Neuseeland

Mit einem Schiff schipperten wir in Auckland ein. Nach 23 Monaten, 24.000 Radel-km, vielen Erlebnissen und Abenteuern, konnten wir unseren Sohn endlich an die Brust drücken und unendlich lange küssen. Wir waren einfach nur Elternstolz. Wir hatten unser Versprechen gehalten.

Neuseeland
Nach 2 Jahren bei Martin angekommen

2 Monate blieben wir in Neuseeland. Beim Abschied wollte uns Martin und seine Freundin unbedingt noch etwas wichtiges sagen. In wenigen Monaten werdet ihr Radel-Oma & -Opa sein. 

Martins erste Bleibe in Neuseeland. Aller Anfang ist schwer.
Martins erste Bleibe in Neuseeland. Aller Anfang ist schwer.

Chile

In Santiago de Chile, auf ca. 800 Höhenmetern, kann man schon mal die herrlichen Anden in der Ferne bestaunen. Es war Ende März und somit höchste Zeit um die Andenüberquerung anzuradeln. Auf über 3500 m Höhe waren die Nächte bitterkalt und die Luft sehr dünn. 

Chile, Argentinien
Andenpass - über 3500 m Höhe

Wir haben da ordentlich im Zelt gefroren. Natürlich war bei den vielen Serpentinen tagelang schieben angesagt. Bei einem Radelgewicht von weit über 50 kg nicht immer lustig. Es gibt da Tage, wo man sich fragt, warum tue ich mir das eigentlich an? Doch die Andenlandschaften und die Lamas machten vieles erträglicher. 

Lamas machen vieles erträglicher
Lamas machen vieles erträglicher

Argentinien

Die argentinische Pampa zog sich dann wochenlang Richtung Norden unter unseren Reifen surrend dahin. Von Salta aus radelte ich alleine in die Berge. Entlang einer alten Bahnlinie ging es auf über 4600 m. Ich wollte austesten ob die Höhe auch eventuell für Gi machbar ist. Sie hatte oft schon auf über 2500 m Höhenluftprobleme und somit Kopfschmerzen im Dauertakt. Auf über 4000 Metern wurde mir klar, Bolivien und Peru könnten für Gi ein echtes Höhenproblem werden. 

Argentinien
Auf über 4000 m Höhe

Wenn man gemeinsam unterwegs ist, ist es ideal sich positiv zu ergänzen, man nimmt aber auch gegenseitig Rücksicht. Somit war mir schnell klar, wir lassen die Räder in Salta und erkunden Bolivien und Peru per Bus. Gi war darüber nicht böse.

Argentinien
Herrlich Aussicht

Bolivien

Es wurde uns in Bolivien sehr schnell bewusst, dass die Entscheidung, den Rädern eine Pause zu gönnen, für uns eine richtige Entscheidung war, denn meist führte uns unsere Wege über 3 bis 4 tausend Höhenmeter. Unvergesslich sind dabei die gigantischen Andenlandschaften, der Großstadtkessel La Paz, der Titicacasee (auf ca. 3300 m Höhe) und der größte Salzsee der Welt (Salar de Uyuni). Auch war das Busfahren eine abenteuerliche Geschichte, denn die Busse waren nicht unbedingt auf neustem Stand.

Bolivien
Abenteuer Bus - unserer Fahrerhaus

Peru

Wochenlang waren wir dann in der peruanischen Bergwelt unterwegs. Wir wollten unbedingt dem Kondor nahe sein. Nach vielen Wanderungen hatten wir es schon fast aufgegeben, den König der Lüfte zu erspähen. Sozusagen zum Peru-Abschied segelte doch noch einer greifbar nahe an uns vorbei. Es war ein unbeschreiblich großartiges Gefühl. Die Flügelspannweite betrug um die 3 Meter.

Peru
Greifbar nah

Über Bolivien zurück ging es zu unseren Fahrrädern nach Salta. Die Räder und auch wir waren echt glücklich auf unser Wiedersehen.

Peru, Bolivien
Geile Bergwelt

Paraguay

Über die argentinische Pampastraße Nummer 16 radelten wir zur Grenze nach Paraguay. Begleitet hat uns dabei über lange Strecken auch der Rio Parana. Richtung Länderdreieck Argentinien, Brasilien, Paraguay pedalten wir durch viele deutsche Gemeinden. 

Langer Weg bis zu den Wasserfällen
Langer Weg bis zu den Wasserfällen

Alle Landsleute sagten uns, wir sollen unbedingt zu den schönsten Wasserfällen der Welt. Und wir waren absolut positiv überrascht. Die Iguazu-Wasserfälle sind ein Traum.

Wasserfälle
Ein Traum

Brasilien

Vom Traum pedalen wir über viele Bergrücken zum brasilianischen Atlantik. Immer die Küste entlang erreichen wir nach vielen angenehmen Wochen Belem. Natürlich machen wir vorher in Rio, in Salvador und weiteren Küstenstädten längere Pausen. Wir versuchen die Widersprüchlichkeiten von Brasilien zu begreifen. Leicht ist dies nicht, denn die Widersprüche von Arm und Reich klaffen noch heute wie tiefe Schluchten in unseren Köpfen. Am wohlsten fühlen wir uns immer beim Strandradeln. 

Brasilien
Strandradeln

Das Amazonasgebiet sprengt all unsere Erwartungen. Mit einem Seelenverkäufer schippern wir 7 Tage über 3500 Flusskilometern bis Manaus. Dort bestaunen wir die "Dschungeloper" und tauchen ein ins ewige Grün der Dschungellandschaften vom Amazonas mit seinen Nebenflüssen.

Brasilien
Trinkwasser ist im Dschungel in Lianen

Panama

Viele Tage flitzten wir auf der berühmt-berüchtigten Panamericana immer Richtung Norden entlang. Doch keine Bewaffneten und auch kein Berg versperrten uns den Weg. Dabei gibt es immer wieder längere Pausen am Pazifik. Jeden, aber auch wirklich jeden Nachmittag fing es zu regnen an.  Der Regen machte uns aber Freude, denn er ist warm und reinigt uns und unsere Radel. 

Panama
Panamericana

Costa Rica

wird für uns ein Naturleckerbissen, ein Radelleckerbissen. Es wird eines unserer Lieblingsländer. Wir sind fasziniert von all den Tieren, den Landschaften und Naturgewalten. Ob Papageien, Regenbogentukane oder Krokos, jeden Tag gibt es neues zu bestaunen. 

Costa Rica
Bunte Vogelwelt

Der Vulkan Arenal bezaubert uns. An seinen Flanken gibt es viele heiße Quellen. Die heißen Überraschungen sind pure Freude für unsere müden Muskeln. Am liebsten würden wir solch eine heiße Quelle in einer unserer Packtaschen mitnehmen. 

Costa Rica
Vulkan Arenal

Kuba

Auf Kuba radeln wir einen Monat. So lernen wir intensiv den real existierenden Sozialismus mit all seinen Fassetten kennen. Es ist für uns ein Zurück in die eigene Vergangenheit. Die Kubaner sind meist nette Zeitgenossen. Sie helfen uns über einige Klippen, erzählen von ihren Wünschen und Sehnsüchten. Begeistert sind wir auch von den Landschaften und den unbeschreiblichen Meeresfarben. 

Für uns war es letztendlich eine überaus interessante und lohnenswerte Radel-Mischung. Von Kuba aus fliegen wir nach Ägypten. Wir freuen uns auf Afrika.

Kuba
Real existierender Sozialismus

Ägypten

Wir sind ja Wüsten-Liebhaber, deshalb wählten wir für Richtung Süden die Wüstenstrecke von Kairo nach Luxor. Für die ca. 1500 km lassen wir uns 3 Wochen Zeit. Jeder Tag war irgendwie anders spannend. Es war Januar. Und da ist es nachts, besonders gegen früh, so richtig kalt in der Wüste (nahe am Gefrierpunkt). 

Auf unsere täglichen abgebrannten Abendlagerfeuer schaufeln wir Sand. Darauf wird die Schutzplane gelegt und anschließend das Zelt gestellt. Mir war die Sache absolut zu riskant (bin ja ein Mann). Doch Frauen lassen ja nicht locker. Heute muss ich gestehen, zum Glück, denn die Bodenheizung funktionierte nach kleineren Anfangsproblemchen geradezu genial. 

Von Luxor schipperten wir auf dem Nil nach Assuan. Von dort war wiederum Verschiffung angesagt. 24 Stunden dauerte die Überfahrt auf dem Nassersee zur Sudangrenze.

Ägypten
Vorbereitung Zeltbodenheizung

Sudan

Es war unsere erste Tour durch den Sudan. Zum Glück war die Wüstenstrasse nach Khartum (ca. 1500 km) eine erst wenige Wochen vorher fertig gestellte Teerstraße. Aus älteren Reiseberichten hatte ich weit schlimmeres befürchtet. 

Sudan
Ab dem Sudan gibt es im Nil recht viele Krokos

Der Sudan selbst war eine große Bereicherung unserer Tour. Von den kleinen Brüdern, den großen Pyramiden in Kairo, den Meroe – Pyramiden und den Königsgräbern bei al-Kurra, waren wir begeistert. Zudem waren die Sudaner überaus Gastfreundlich. 

Sudan
Moreo - Pyramiden

Äthiopien

Genau wie Indien wurde Äthiopien für uns zu einer Hassliebe. You, you! Give me money, war fast täglich unsere Radel-Begleitmusik. Auch flogen ab und an Steine aus Kinderhänden.

Im Ostafrikanischen Grabenbruch hatten wir aber auch viele Momente von Afrika pur. Einfach nur schöne Gefühle. An der Grenze bei Omorate führte für uns leider kein Weg über die Grenze. 

Äthiopien
Bei den Stämmen im Omorate-Gebiet

Omorate werden wir nie vergessen, denn der verweigerte Grenzübertritt, bedeutete für uns um die 600 km Umweg, davon gut 300 km Pisten bis zum nächsten Grenzübergang.

Äthiopien
Die Jungs zeigen uns den richtigen Weg

Kenia

Beim durchradeln von 2 Nationalparks erleben wir wieder Afrika pur. Wir sind gut gelaunt als wir ein Strandparadies in Tiwi am Indischen Ozean finden.

Als wir weiter Richtung Tansania pedalen, erleben wir den Alptraum aller Reisenden. An einer Dschungelpiste werden wir von 4 Männern mit Macheten überfallen. Letztendlich haben wir aber unendlich viel Glück im Unglück. Mit nur 3 Packtaschen flüchten die Verbrecher im Dschungel. Das Positive? Wir leben noch, sind gar unverletzt. Das Negative? Wir müssen das erlebte irgendwie verarbeiten. Ich würde Ostafrika am liebsten sofort verlassen. Gi hat aber eine andere Eingebung. Warum geben wir Ostafrika keine zweite Change? Gi hat Recht, wir pedalen weiter Richtung Süden. 

Kenia
Durch die Nationalparks

Was uns allerdings gleich am ersten Radeltag nach dem Überfall bewusst wird und uns auch noch lange begleiten wird: Wir radeln nicht mehr so unbekümmert durch die Landschaft. Die Ereignisse sitzen zu tief. Zur eigenen Sicherheit kaufe ich mir eine Machete.

Kenia
Nicht mehr so unbekümmert, auch wenn es anders aussieht

Tansania

In Tansania geht es uns wieder besser. Die Strecke Richtung Kilimandscharo lässt sich gut radeln. Leider holt uns die manchmal auch harte Radler-Wirklichkeit wieder ein. Wir treffen 2 Radler (ein Russe und einen Polen). Beide wurden auch überfallen. In Arusha (Touristenzentrum am Kili) erzählt uns eine Engländerin von ihrem eigenen erlebten, sehr üblen Überfall.

Tage später, durch eine innere Eingebung von mir, entgehen wir glücklicherweise selbst dem nächsten Überfall. Erneut hatten wir viel Glück. Wir wollen unser Glück aber nicht überstrapazieren.

Tansania
Junger Massai

Fast 10.000 km liegen in Afrika hinter uns. Wir wollen keine Radelhelden werden. So steht dann recht schnell fest, wir radeln zurück nach Nairobi um Ostafrika zu verlassen. 

Jederzeit würden wir Kenia und auch Tansania wieder bereisen. Ob es allerdings nochmals mit den Fahrrädern sein würde, ist für uns bis heute eine offene Frage. Afrika kann sehr schön sein! Afrika kann sehr hart sein!

Tansania
Abschied von Afrika

Jemen / Sokotra

Über dem Jemen treffen wir auf Sokotra ein. Wir kennen einige Inseln dieser Welt, doch Sokotra wird unsere absolute Lieblingsinsel. Die Insel ist nur um die 150 km lang und 50 km breit. Deshalb beschließen wir, die Insel zu bewandern. Die Radel haben Pause. Die Rucksäcke werden geschultert.

Wir sind begeistert von der Inselschönheit, der Inselruhe, dem Inselfrieden,  den grandiosen Stränden soweit das Auge reicht, Berge in Nebeln, Drachenblutbäume und Palmen im Wind.

Jemen Sokotra
Lieblingsinsel Sokotra

Auch hier sind die Menschen arm, doch wir fragen uns oft, warum hier alles so irgendwie anders gut für uns ist? Nur um die 100 km Luftlinie ist das rustikale Ostafrika von uns entfernt. Wir brauchen einige Zeit für eine Antwort, doch dann begreifen wir den Unterschied. Hier gibt es nicht den aggressiven Gegenspieler von Armut, nämlich den Reichtum. Unsere Herzen freuen sich über die Menschen. Sokotra ist eine Erholungskur für unsere Seele.

Die glückliche Inselzeit vergeht wie im Flug. Gestärkt in der Seele und an Körpergewicht verlassen wir unsere Lieblingsinsel Richtung Wüste.

Jemen Sokotra
Lagerplatz auf Sokotra

Oman

Diesmal pedalen wir die über 1000 km in entgegengesetzter Richtung durch das "Leere Viertel". Die uns gut bekannte Wüste ist gerade wegen unserer Vorkenntnisse ein absolutes Vergnügen, denn uns sind ideale Lagerplätze und auch die so wichtigen Versorgungsstellen noch in bester Erinnerung. 

Vereinigte Arabische Emirate

Zum Glück ist Oktober. Wir genießen die nur 35 Grad von der Quelle (Al Ain) bis Abu Dhabi. Sand gibt es dort nur am langen Strand. Beton, Glas, Aluminium und viel Marmor streiten im Verbund in Himmelsnähe. Tage später sind wir dann tatsächlich am Himmelstor in Dubai. Die unendlich erscheinende Höhe lässt den Burj Khalifia (Turm des Khalifen) aus der Ferne nicht wie ein bewohnbares Hochhaus erscheinen, doch überzeugt uns der 828 m hohe Turm mit seiner Eleganz, seinen Sinnestäuschungen und verspielter Schönheit. Die Nächte selbst, verbringen wir aber den Wüstenfüchsen gleich, in den von uns so geliebten Dünen.

VAE
Lagerplatz gefunden

Jordanien

Von Amman aus flitzen wir zum Toten Meer runter. Macht echt Spaß, denn es flitzt sich von ca. 2000 Höhenmetern auf fast 400 Meter unter Null Radel-flott. Als Dankeschön liegt der Königsweg auf 2000 m Höhe vor uns. 

Jordanien
Königsweg

Er führt uns an der Felsenstadt Petra vorbei und verliert sich in den Weiten des Wadi Rum. Am Roten Meer bringt uns eine Fähre auf den Sinai.

Jordanien
Lagerplatz am Königsweg

Ägypten 

In den Wadis vom Sinai nehmen wir Abschied von unseren geliebten Wüsten. Es ist Dezember 2010. Die Nächte in der Wüste sind wieder bitterkalt. Wir beleben zwangsweise unsere Zeltbodenheizung. Viel Holz ist dafür nötig. Unsere Radel sind deshalb zeitweise Holzradeltransporter.

Im überbevölkerten Nildelta und Alexandria erleben wir die Vorboten des Arabischen Frühlings. 

Ägypten Sinai
Holztranporter

Zypern

Wir beradeln auf gut 500 km beide Teile der Insel. Der türkische Inselteil gefällt uns besser, denn alles wirkt irgendwie ursprünglicher, einfacher, sympathischer auf uns. Die geteilte Hauptstadt erinnert uns nur bedingt an Berlin, denn die ehemals so gewaltige Berliner Mauer ist hier nur ein Mäuerchen, eine Grenze aus Hauswänden und Verbotsschildern an ungefährlich erscheinenden Zäunen. Mit einer Fähre schippern wir nach Mersin in der Osttürkei.

Zypern
An der Mauer

Türkei

Wir sind froh dem nahen Europa noch ein zeitliches Schnäppchen zu schlagen. Über 1500 km pedalen wir bis Marmaris, dabei geht es immer entlang der türkischen Südküste. Egal, wie das Wetter auch ist, ob es nun regnet, die Sonne scheint oder gar Hagelkörner uns zu Pausen zwingen, die Gebirgsketten des mächtigen Taurus sind uns eine treue Begleiterin. Egal wo wir ankommen, immer ist ein Teil des Gebirges schon da. 

Türkei
Der Taurus immer dabei

Griechenland

In Marmaris besteigen wir die Fähre zur griechischen Insel Rhodos. Von Insel-Radel-Hüpfen haben wir schon öfters geträumt. Auf Kos erleben wir Starkwindtage. 8 bis 10 beträgt die Windstärke. Wir müssen uns gedulden, denn kein Schiff mag gegen die Wellen kämpfen.

Unsere Geduld wird auf Santorin belohnt. Der weiße Kranz der Inselhäuser, das schwarze, graue und rote Farbenspiel der Abbruchkanten und das ewig blau erscheinende Meer bilden eine Symbiose von unvorstellbarer Schönheit.

Auf der Fähre von Patras nach Venedig rückt die Heimat stückchenweise immer näher.

Greichenland
Santorin

Italien – Österreich - Deutschland

In Venedig geben wir in 3 Tagen das Geld aus, welches in manch anderen Ländern 1 Monat lang gereicht hat. Nach den Tagen der Venedig-Muse pedalen wir über die Alpen. Wir nächtigen wieder öfters im Zelt. Wir versuchen auch die letzten Tage unserer Tour weit raus zu schieben. Über Salzburg treffen wir in München ein. Über Nürnberg, Bamberg pedalen wir Tage später nach genau 48.110 km in Sonneberg ein. Nach 4 Jahren schließen wir unsere Familie und Freunde in die Arme.

Deutschland
Letzter Übernachtungsplatz bei Bamberg

Einige Wochen später:

Gis geliebtes Welt-Radel wird in unserer Heimatstadt geklaut. Es ist bis zum heutigen Tag spurlos verschwunden.

 

Wer noch viel, viel, viel .... mehr erfahren möchte, es gibt ein Buch zu unserer Weltradeltour.

 

zum Buch Grenzenlos

 

Grenzenlos Buch